„Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln.“ (Erich Kästner)

In diesem Sinne gehört das Methodentraining zu den wichtigen pädagogischen Säulen des FGB. Im Jahr 2015 haben wir das Konzept überarbeitet.

 

 

Lernen soll für Menschen – so Kästner – mehr sein als „büffeln“; hier können wir ergänzen: mehr als büffeln von Zahlen, Fakten und Formeln. Doch was besagt das? Unsere Kinder sollen im Laufe ihrer Schulzeit nicht nur Wissen auswendig lernen, sondern sie sollen lernen, sich selbstständig und eigenverantwortlich in einer zunehmend komplexeren Gesellschaft bewähren und bewegen zu können.

Der sächsische Lehrplan schreibt jeder Schule folgerichtig die Entwicklung unterschiedlicher Kompetenzen vor, mit dem Ziel, die Lernenden schrittweise zu befähigen, Strategien und Techniken situationsgerecht und sowohl effektiv als auch effizient einsetzen zu können. Kästners Zuspitzung von lernen und büffeln lässt sich heutzutage entsprechend modernisieren, indem dem Aufbau von Kompetenzen die Aneignung von Wissensbeständen entgegengesetzt wird – das Schlagwort dazu lautet: Kompetenzorientierung. Doch nochmals: Was besagt das?

Auch Kästner ging davon, dass es nötig sei, Verschiedenes auswendig zu lernen, es wirklich zu seinem Wissensbesitz werden zu lassen, oder eben einen Stoff zu büffeln, bis er nicht mehr vergessen wird. Sowenig wie auf diese Form der Aneignung verzichtet werden kann, kann dies der alleinige Sinn von Bildung sein, die ja das Ziel einer jeden Schule ist. Es reicht nicht hin, als Ingenieur die Bestandteile eines bspw. Motors auswendig hersagen zu können, er sollte den Motor auch verstanden haben, ihn ggf. zusammenbauen können, oder bei Mängeln reparieren können. Dies alles sind Fähigkeiten, die auf Wissen angewiesen sind, gleichwohl aber mehr sind als bloße Wissensbestände. Es sind eben – wie es heute formuliert wird – Kompetenzen, die es erlauben Dinge zu tun, zu gestalten und kreative Prozesse in Gang zu bringen. In diesem Sinne setzt sich auch das Freie Gymnasium Borsdorf die Kompetenzorientierung als Maßstab für die Zusammenarbeit mit unseren Schülerinnen und Schülern. Nicht ein Gegensatz einer Orientierung auf Wissen zu einer Orientierung auf Kompetenzen, sondern deren systematischer Zusammenhang ist also unser Ausgangpunkt.

 

 

Diese nachhaltige Entwicklung möglichst vielfältiger Kompetenzen bei unseren Schülerinnen und Schülern bedarf mehr als einer reinen fachlichen Ausbildung. Neben dem sicheren Umgang mit wissenschaftlichen Methoden gehört für uns auch die Ausübung kreativer Prozesse, die Schaffung von Möglichkeiten zur Persönlichkeitsbildung sowie deren stetige Reflexion zu einer zielführenden Kompetenzorientierung dazu. Daher gilt es in Auseinandersetzung mit so unterschiedlichen Bereichen wie u.a. verschiedenen Problemlösestrategien, sozialen Fragestellungen, technischen Herausforderungen den Schülerinnen und Schülern die Entwicklung ihrer persönlichen Begabung zu ermöglichen.

Das Freies Gymnasium Borsdorf verfolgt diesen Ansatz, indem der klassische Fachunterricht durch die vertiefte Aneignung fachübergreifender Kompetenzen im Rahmen unseres Methodentrainings (MT) begleitet wird. In Abstimmung mit den jeweiligen Fachinhalten werden vielfältige Methoden in einem gesonderten Rahmen vermittelt, erprobt und eingeübt. Dies erfolgt an sechs separaten Methodentagen im Laufe eines Schuljahres für die Klassenstufen 5-10. Die einzelnen Kompetenzsäulen arbeiten sowohl innerhalb der Säule als auch an den Überschneidungspunkten zu anderen Kompetenzsäulen vernetzt, sodass ein stetiger und langfristiger Aufbau der jeweiligen Kompetenz organisatorisch abgebildet wird. Wir als Kollegium sind der Überzeugung, dass dieses langfristige Methodentraining notwendig ist, um in vielfältigen Anwendungskontexten zu ermöglichen, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Fähigkeiten erkennen, verfeinern und festigen können. In diesem Sinne ist ein stupides Wiederholen der Methoden (Kästners „büffeln“) nicht zielführend. Unser Ziel am Freien Gymnasium Borsdorf ist es daher, u.a. mit dem Methodentraining den schulorganisatorischen Rahmen zu schaffen, innerhalb dessen sich die Persönlichkeit unsere Schülerinnen und Schüler entwickeln kann und ihre Fähigkeiten ausgebildet werden, sich als aktiv gestaltende Mitmenschen in die (Schul-)Gemeinschaft einzubringen. Nicht zuletzt stellt sich das Methodentraining den Anspruch, diesen Entwicklungsprozess durch stetige Reflexion zu begleiten, da wir auch hier davon ausgehen, dass dies eine notwendige Bedingung für eine nachhaltige Lernentwicklung unserer Schülerinnen und Schüler darstellt.

Mathias Hetmank

(MT-Koordinator des FGB)