Beeindruckender Besuch eines Zeitzeugen

Sehr geehrte Schulgemeinschaft,
liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich habe mich sehr darüber gefreut, dass so viele von euch so großes Interesse am Besuch des Zeitzeugen Andrej Iwanowitsch Moiseenko gezeigt haben. Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 6 bis 11 nahmen an der Veranstaltung teil, stellten zahlreiche Fragen und kamen in einen direkten Austausch mit Herrn Moiseenko. Ihr habt durchdachte, respektvolle und interessante Fragen gestellt. Auch über die gesamte Dauer der Veranstaltung hinweg – bestehend aus Filmvorführung und anschließendem Gespräch – blieb das Interesse der Schülerinnen und Schüler bemerkenswert hoch.

Im Film „Ja, Andrei Iwanowitsch“ wird das bewegte Leben Moiseenkos eindrucksvoll dargestellt. Der Film thematisiert neben seinen Erfahrungen während der Zeit der nationalsozialistischen Zwangsarbeit auch persönliche Herausforderungen wie den Umgang mit Alkoholismus und zeigt eindringlich, wie sich diese Erlebnisse auf sein weiteres Leben ausgewirkt haben. Diese Einblicke ermöglichten es den Schülerinnen und Schülern, gezielt und reflektiert im anschließenden Gespräch nachzufragen.

Wie uns Anja von der Gedenkstätte Leipzig mitteilte, hatte Herr Moiseenko einen besonders guten Tag – was im Alter von 100 Jahren keineswegs selbstverständlich ist. Wohl auch, weil er sich über euer großes Interesse sehr freute. Besonders beeindruckt war er davon, dass in den ersten Reihen viele Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen saßen, teilweise mit Notizblöcken, um seine Aussagen festzuhalten.

Auch freute er sich über unser Geschenk, organisiert von Frau Hubert und Frau Prüfert: ein Blumenstrauß aus Saatgut für seinen großen Garten in Minsk (Belarus), in dem er nach wie vor fast täglich arbeitet. Er bezeichnete es sogar als eines der schönsten Geschenke, das er je erhalten habe. Also ein großes Danke an Frau Hubert und Frau Prüfert für die tolle Idee! Er war darüber so euphorisch, dass er sogar kurz auf Deutsch mit mir sprach. Mit einem Augenzwinkern sagte er: „Gestern beim Oberbürgermeister von Leipzig, Burkhard Jung, heute in Borsdorf bei euch und morgen im Garten beim Säen.“

Er lud mich anschließend zu seiner Geburtstagsfeier ein, die von der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig organisiert wurde. So durfte ich in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai seinen 100. Geburtstag mit ihm feiern – ausgerechnet in der Stadt, die einst so eng mit seinem Leid verbunden war.

Auf der Feier bat ich ihn, eine kurze Botschaft an diejenigen Schülerinnen und Schüler zu richten, die nicht anwesend sein konnten. Das entsprechende Video findet ihr unten auf dieser Seite.

Ich denke, es ist uns allen bewusst, dass der Besuch von Andrej Iwanowitsch Moiseenko eine große Ehre für unsere Schule war. Nichts ist wichtiger, als sich gegenseitig zuzuhören und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen – gerade in der heutigen Zeit. Sein Besuch war eine der letzten Möglichkeiten der Begegnung mit Zeugen der Geschichte vor 1945. Und diese Begegnung macht auch euch zu Zeitzeugen. Behaltet sie also in guter Erinnerung.

Herr Schremmer